Gary Kuehn
Berliner Serie, 1979
6.2. – 6.3.2009
„Kunst zu machen ist eine eigene Art des Seins, die man selbst nicht
hat – eine Befriedigung, die eine vollständige Erfahrung erst möglich
macht. Kunst macht das Leben verständlich – Leben macht Kunst
verständlich. Die erste Einstellung ist die des Künstlers, die zweite
die des Betrachters.“ (Gary Kuehn)
Die in der Ausstellung Berliner Serie gezeigten Arbeiten von Gary Kuehn
umfassen eine geschlossene Werkgruppe, die anlässlich seines
einjährigen DAAD Aufenthaltes 1979 in Berlin entstanden ist. Sie wurde
1980 im Württembergischen Kunstverein Stuttgart ausgestellt.
Mit reduzierten, minimalistischen Mitteln erzielt der Künstler eine
reiche Bildsprache von geometrischer Klarheit und spannungsreicher
konzentrierter Energie.
Gekennzeichnet sind die Bildobjekte und Collagen durch ihre einheitliche formale Struktur.
Mit
Hilfe der Grundelemente wie Kreis, Dreieck, Quadrat, Rechteck und
Trapez entfaltet Gary Kuehn eine fast unendliche Vielfalt an
Kompositionsmöglichkeiten. Horizontale Linien bilden das Gerüst, auf
denen sich diese abstrakten Formen in definierten Abständen zueinander
aufreihen. Trotz der primären Flächigkeit gelingt es dem Künstler
Dreidimensionalität zu erschaffen. Räumlichkeit wird durch das Prinzip
des ‚Ausschneidens‘ bei den Bildobjekten erzielt, deren Formen über den
horizontalen Bildträger hinausragen. Ebenso erzeugen die monochrom, in
mehreren Schichten aufgetragenen Farben an sich eine Reliefstruktur,
die Objektcharakter annimmt. Bei den Zeichnungen sind es die
eingeschnittenen Papierstreifen, die Plastizität gestalten.
Jedoch geht es Kuehn nicht darum, in seiner Kunst rein strukturiertes und methodisches
Arbeiten
zu veranschaulichen, vielmehr reagiert er immer wieder neu auf
gesellschaftliche Zusammenhänge im Spannungsfeld zur eigenen
Befindlichkeit. Aus dieser Verbindung von emotionaler Subjektivität und
der Wahrnehmung von Fakten einer objektiven Realität, entstehen Kuehns
Arbeiten. Themen wie Freiheit und Zwang, Besitz und Verlust, Gewalt und
Sanftmut, fordern den Künstler zu stets neuen Forschungen und
Experimenten heraus, um Konfliktsituationen zu verdeutlichen. Bisweilen
arbeitete er mit Materialien, wie Holz, Metall, Gips, Polyester,
Plexiglas, Aluminium und Stahl. „Ich versuche alles Mögliche und gehe
Risiken ein“, sagt er, „denn ich mache Kunst wirklich nur, um
Zusammenhänge herauszufinden.“
Auch in der Berliner Serie verbindet Kuehn die Ebenen der faktischen
Außenwelt und der subjektiven Innenwelt mittels abstrakter Symbole, die
durch spezielle Anordnungen zueinander Spannungsfelder aufbauen, denn:
„Abstraktion“, sagt Gary Kuehn, „ist ein Mittel, nicht der Selbstzweck.
Es ist die Sprache mit universaler Bedeutung. Es beinhaltet natürlich
das Spezifische, aber überschreitet es ständig.“ Das macht die
Authentizität von Gary Kuehns Arbeiten aus, die Lebendigkeit mit Kalkül
vereinen.
Zur Ausstellung ist ein
Katalog erschienen.