Der niederländische Maler Hans van Hoek hat sich bereits in jungen Jahren nach dem Studium an der Kunstakademie dem Facettenreichtum der Natur zugewandt und schon in seinen frühen Arbeiten einen eigenen künstlerischen Stil ausgeprägt.
Van Hoek geht es nicht um das reine Abbilden der Natur, vielmehr nimmt er gegenständliche Motive, die häufig in abgewandelter Form in seinen Bildern wiederkehren, und setzt sie in Beziehung zueinander:„...ich bin kein Realist. Ich male die Landschaft des Gefühls. Da sagt ein Chinese ...man sollte nicht den Berg malen, sondern seinen Atem“(1) Solche Motive nimmt van Hoek aus seinem Alltag, wie Vasen, Früchte, Textilien, oder - und das sehr häufig - aus der Kunstgeschichte. Das Studium der Werke großer Meister, zu nennen wären hier El Greco, Rubens, Michelangelo, Courbet und Cézanne, veranlassten den Künstler, freie Adaptionen als Motive in seine Bildkompositionen einzufügen. Ein mehrfach wiederkehrendes Bildelement ist beispielsweise Michelangelo’s Relief, Schlacht des Lapith und der Zentaure, in Michelangelo Study with Lemons, 2003-2005, und Michelangelo Study 2005-2006. Die zahlreichen von Ausflügen und Reisen gesammelten dekorativen Gegenstände, die in seine Bilder Einlass finden, erinnern auch an die Tradition der holländischen Stilllebenmaler.
So können es verschiedene einzelne Bildelemente sein, die zu einer Komposition gefügt werden, aber auch das Bild im Bild, das ein Vexierspiel der Imagination mit dem Betrachter eingeht.
Seine Bilder atmosphärisch zusammen zu binden, gelingt van Hoek auch durch den gezielten Einsatz von Licht und Dunkelheit, Form und Farbe sowie des kompositorischen Bildaufbaus, der gleichsam durch das Montageprinzip mehrere Wahrnehmungsebenen entstehen lässt. Eine ganz wichtige Rolle fällt in diesem Zusammenhang dem vom Künstler aufwändig selbstgefertigten Holzrahmen zu, der als Erweiterung des Bildraumes dient. „..es ist wichtig den Bildrahmen, bemalt oder geschnitzt, als erfahrbaren Raum zu sehen und nicht als Grenze, Linie oder Barriere...Ein Raum umschließt ein Kerngehäuse und ist wiederum umgeben von Raum und Raum...endlos...“ (2). In der Gestaltung des Rahmens, der Wahl der Ornamentik, der Farbe und des Holzes, nimmt der Künstler direkt Bezug auf den Bildinhalt und erzeugt eine weitere optische und auch plastische Dimension.
Eine Fortführung des Gedankens von der Aufhebung der Zweidimensionalität erreicht van Hoek in seinen aktuellen Bildern. Ausgewählte Motive mit nun gemaltem Rahmen finden als Stillleben in einer klar strukturierten Bildkomposition ihren Platz, zumeist in der oberen Bildmitte. Davor erschließt sich ein weiterer Bildraum durch dekorative Elemente, wie eine Vase mit gelber Blume in Rockpool, 1999-2004, gelbe Zitronen in Michelangelo Study with Lemons, 2003-2005, und weißer Jasminzweig in roter Vase in Jasmin, 1999-2005. In Michelangelo Study, 2005-2006, öffnet sich eine dritte Bildebene hinter dem Stillleben. Ein hochgezogener Vorhang gibt den Blick frei auf eine lichtdurchflutete, sanft ansteigende Landschaft. Den Abschluss bildet wiederum der bearbeitete Holzrahmen, der identisch den gemalten Rahmen wiedergibt. So suggeriert das Bild im Bild, der Rahmen im Rahmen die Möglichkeit einer scheinbar endlosen Fortsetzung der Bildebenen.
In Waterfall, 1999-2006, einem dunkelgründigen Bild, lenkt ein heller Lichtstrahl das Auge des Betrachters in die Diagonale von links unten nach rechts oben. Im Bildvordergrund steht eine Vase mit Blumen auf einem in dunklen Rottönen gehaltenen ornamentalen Untergrund, dahinter ein in weiß schimmernder und in türkisfarbenen Tönen gemalter Wasserfall mit einer Gruppe Badender. Den Bildschluss bezeichnet ein breiter beleuchteter Streifen eines Abhanges, bewachsen mit unterschiedlichen Pflanzen, der die Diagonale fortsetzt. Der massive, schlichte Rahmen nimmt die Dunkelheit des Bildes auf und verweist symbolisch auf grenzenlose Ausdehnung und steht in der Tradition des barocken Illusionismus.
Van Hoeks Bilder verbinden mit der Wahl ihrer Motive und der dramatisch zu nennenden Hell-Dunkelgestaltung Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie eröffnen ein unbestimmtes Raum-Zeitkontinuum. Dem Betrachter, der sich darauf einlässt, gibt es Raum für eigene Assoziationen und Gefühle.
1)Rick Vercauteren im Gespräch mit Hans van Hoek, 6.-8.12.2004, in: Hans van Hoek, Nieuwe Werken 2000-2005, Ausst. Kat. Museum van Bommel van Dam, Venlo, 21.1-28.5.2006 S. 9ff
2)Rick Vercauteren im Gespräch mit Hans van Hoek, 6.-8.12.2004, S. 5
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.